Letzte Änderung: 05.02.2010
Kurzbericht 2. Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz
Oberbürgermeister Thomas Thumann konnte zur 2. Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz neben Staatssekretärin Melanie Huml namhafte Referenten, darunter Prof. Dr. Klaus Töpfer, den früheren Umweltminister begrüßen

"Nachhaltigkeit ist keine Alternative, die wir wählen können, sondern eine dringendes Gebot unserer Zeit geworden." Mit diesen Worten hat Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann die Teilnehmer der 2. Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz am 17.07.2009 in den Festsälen der Residenz begrüßt. Bereits zum 2. Mal veranstaltete die Stadt zusammen mit der Neumarkter Lammsbräu als Kooperationspartner diese Nachhaltigkeitskonferenz, bei der hochrangige Referenten aus ganz Deutschland Themen rund um die Nachhaltigkeit, um Klimawandel und Klimaschutz präsentieren. Prominentester Redner war der frühere Umweltminister Prof. Dr. Klaus Töpfer, der seit Jahren als anerkannte Persönlichkeit im bereich Nachhaltigkeit gilt. Er zeigte in seinem Impulsreferat die Dimension für den Weg zur Nachhaltigkeit auf. Und dieser sei dringend notwendig "Wir stehen zwar vor einer Wirtschafts- und Finanzkrise ungeahnten Ausmaßes, aber die kommt und geht. Die Klimakrise bleibt." Im Laufe des Tages zeigten die Referenten verschiedene Ansätze und Möglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen auf. Mit mehr als 200 Teilnehmern aus ganz Deutschland war die Konferenz schon seit einiger Zeit ausgebucht. In diesem Jahr stand die Konferenz unter dem Thema "Energie in Kommunen und Unternehmen neu denken. Vision und Praxis der Energierevolution".

Staatssekretärin Melanie Huml eröffnete die 2. Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz, die ein Beitrag im Rahmen der Bayerischen Klimawoche war

Eröffnet wurde die Konferenz von Staatssekretärin Melanie Huml vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. Die Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz ist ein Beitrag im Rahmen der Bayerischen Klimawoche und wie Oberbürgermeister Thumann in seiner Begrüßung sagte, dokumentiere die Teilnahme der Staatsekretärin auch, welch hohen Stellenwert das Staatsministerium der Neumarkter Konferenz zuordne. In ihrer Rede stellte Staatssekretärin Huml fest, dass wir weg müssen von der kohlenstoffbasierten Wirtschaft und dafür eine neue Strategie benötigen. "Diese Strategie muss Klima- und Energiepolitik intelligent verknüpfen." Bayern habe dazu jetzt schon gute Bedingungen. Mit dem Klimaprogramm 2020 sollen zudem die CO2-Emissionen pro Kopf im Jahr auf deutlich unter sechs Tonnen gesenkt werden.

 

Prof. Dr. Klaus Töpfer hielt das Impulsreferat

Das Impulsreferat hatte der frühere Umweltminister Prof. Dr. Klaus Töpfer übernommen, von dessen knapp einstündigen Vortrag die Besucher begeistert waren. Unter dem Thema "Energie neu denken - von der Vision zur Praxis" zeigte er anschaulich auf, welche Zusammenhänge man im Hinblick auf den Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit national und international zu beachten habe. Aus seiner Sicht gehe es darum, den Weg zur Nachhaltigkeit weltweit auch wirtschafts- und sozialverträglich durchzuführen. Gleichwohl plädierte er dafür, dass ein Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft unumgänglich sei. Dazu brauche es die Politik, die die Ziele vorgeben müsse, denn nur so werden Technik und Wirtschaft zum Reagieren ermuntert. An vielen Beispielen erläuterte er, welche unterschiedlichen Lösungen regionale zum Einsatz kommen können. Den Weg dorthin skizzierte er so: "Visionen nicht als Alibi, flexibel im Verstand und fest im Willen." Prof. Töpfer gehört heute zu den international wichtigen Persönlichkeiten, die in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen gleichermaßen als Experten für nachhaltige Entwicklung angesehen werden.

 

Prof. Dr. Ing. Martin Faulstich

Prof. Dr. Ing. Martin Faulstich von der TU München widmete sich in seinem Vortrag der Frage von Klimaschutz durch Biomasse. Er ist Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung und Experte für Biomasse. Seine Erkenntnis ist, dass es neben dem Einsatz der Biomasse eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen geben müsse. Die Effizienzsteigerung nahm Dr. Burkhard Schulze-Darup in seinem Vortrag auf und. stellte Perspektiven für den 100%igen energieeffizienten Stadtumbau vor. Er gilt als international renommierter Experte für Passivhaussanierung und energieeffizientes Bauen. Vertieft wurden die Themen des Konferenzvormittages in einer Gesprächsrunde, die von Dr. Horst Hamm, den stellvertretenden Chefredakteur der Zeitschrift "Natur & Kosmos" moderiert wurde. Zahlreiche Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, um Fragen an die Referenten zu stellen und so die Themen noch zu vertiefen.

 

Stephan Denig bei seinem Vortrag über "Masdar City"

Den Konferenznachmittag leitete der interessante Vortrag von Stephan Denig, dem Leiter des Issue Management und Agenda Setting bei der Siemens AG in München ein. Er stellte mit der Ökostadt Masdar City die Vision und Praxis einer Null-Emissionsstadt vor. Dort in den Arabischen Emiraten haben im letzten Jahr die Bauarbeiten für den Neubau einer 40.000 Einwohnerstadt in der Nähe der Hauptstadt Abu Dhabi begonnen. Bis 2016 soll bei diesem "ambitionierten Projekt" eine Stadt entstehen, "die weltweit am besten die Nachhaltigkeitsstandards für eine Stadt erfüllen soll". Projektion ist ein CO2-Verbauch, der gegen Null gehen soll. Diesen Gedanken aufnehmend schilderte der Leiter des Energietechnologischen Zentrums Nürnberg, Erich Maurer wie Energieautonomie für eine Kommune wie Neumarkt gelingen kann, welche Ansatzpunkte es gibt und welche Bereiche man einbeziehen sollte. Auch die Nachhaltigkeit in der Unternehmenspraxis wurde in der Konferenz dargestellt. Insbesondere beim Vortrag von Dr. Dagobert Achatz, dem Leiter des Umweltmanagements bei der Audi AG. Er zeigte auf, wie man Energieeffizienz im Unternehmen entwickeln und ausbauen könne. Auf einen wichtigen Aspekt künftiger Energiepolitik wies Martin Forstner in seinem Referat hin. Er zeigte, dass Kühlen ein Zukunftsthema sein werde und er zeigte auch auf, wie Kühlen ohne Energie funktionieren kann. Forstner gilt als Experte für hocheffiziente und klimaadaptive Gebäudesystem und er war bereits bei der Entwicklung, Planung und dem Bau des weltweit ersten vollvakuumgedämmten Nullenergiehauses verantwortlich.
Den Abschluss bildete der Ausblick von Dr. Angelika Zahrnt, der Ehrenvorsitzenden des BUND. Sie stellte in ihrem Referat "Energie in Deutschland - neu denken" die Wichtigkeit einer alle Ebenen umfassenden Umgestaltung der Energiepolitik und des Verbrauchsverhaltens dar. Energie und deren Gebrauch müssten völlig neu definiert und durch alternative Maßnahmen zu einer vollständig neuen energiepolitischen Ausrichtung gebracht werden. Das Schlusswort zur Nachhaltigkeitskonferenz sprach Neumarkts Bürgermeisterin und Klimaschutzreferentin Ruth Dorner.